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Depri-Abend

Der Himmel hat sich bewölkt, als ich die Plane von innen öffne. Grau in Grau die Wolken, die sich über den Hügeln staffeln. Es könnte drei Uhr sein oder fünf, schwer zu sagen. Ich will mir erstmal Tee machen, dazu muss ich mit dem Kessel an den bergabwärts gelegenen Bach um ihn zu säubern. Mit den angebrannten Resten von gestern und ohne Wasser keinen Tee, so einfach ist das. Der Topf lässt sich gut von den schwarzen Resten befreien, mit ca. einem Liter geht es zurück. Ich nehme unterwegs ein paar kleine Äste mit.

Die Teeblätter werfe ich ohne Umstände in den Topf und hänge ihn übers Feuer, hin und wieder ist Holz nachzulegen. Der Tee tut gut, langsam taut der Geist auf. Während ich den Tee langsam schlürfe, verliert das Grau der Wolken an Licht, es war wohl doch eher fünf, als ich aufgestanden bin. 

Heute früh ins Bett? Bloß nicht, lieber versuchen, den Körper noch etwas zu fordern. Ich streiche nahe dem Zelt durch den Wald. Es ist stinklangweilig. Das Wetter trägt nichts dazu bei, sich besser zu fühlen. Ich beobachte Vögel...

27.4.14 15:18


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Scheißtag

Dumpfer Schmerz im Schädel. Langsam steigt das Bewusstsein aus der Tiefe empor in Richtung Realität. Durch die geschlossenen Lider kann ich Helligkeit wahrnehmen. Sie schmerzt. Ich vergrabe den Kopf wieder unter der Decke. Die Tage nach verlorenen Nächten wie dieser sind immer besonders schlimm. Erfahrungsgemäß liege ich flach bis vier oder fünf am Nachmittag, bevor ich es über mich bringe aufzustehen. Depressionen seit sechs Jahren haben das gelehrt.

Vor sechs Jahren begann es so, abends keinen Schlaf finden, morgens nicht rauskommen. Fast neun Monate konnte ich das verheimlichen, Grippe oder Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen vorschieben um zu erklären dass ich einfach nicht aufstehen konnte. Für Außenstehende hört sich das unglaublich an. Es kann ja wohl nicht so schwer sein, aus dem Bett aufzustehen, fauler Sack! 

Es ging wirklich nicht. Wie festgelascht liegt der Kopf auf der Matratze, die Decke über den Augen sodass ja kein Licht durchdringt. So liegt man dann stundenlang, gedankenlos, die Realität wie durch Schaumstoff vom Kopf isoliert. Die Gedanken kommen erst abends wieder. 

Tage-, wochenlang der Versuch, früh ins Bett zu gehen. Und dann wälzt man sich doch nur wieder bis in die Morgenstunden.

Die Versuche, abends was zu trinken um einzuschlafen. Funktioniert einmal, zweimal, dann brauchst du soviel dass du morgens noch besoffen bist und trotzdem nicht rauskommst.

Bewusst lange aufbleiben, dem Körper Schlaf entziehen, um abends müde zu sein. Funktionierte erst, als die Antidepressiva endlich angeschlagen haben.

Die bekam ich nämlich nach einem dreiviertel Jahr, als mir klar wurde dass ich nicht spinne, sondern krank bin. Die Wirkung von dem Zeug war, dass man sich des Unsinns des Lebens voll bewusst blieb, dieselben Gedanken im Hintergrund hatte, es einem aber scheißegal war. Man sah immernoch keinen Sinn darin, früh aufzustehen, tat es aber trotzdem. Man funktionierte wieder, mehr aber auch nicht.

Nach vier Jahren wurden die Tabletten dann abgesetzt. Ich hatte höllische Angst, wieder in den alten Gedankenkreis zu kommen. Meistens blieb ich davon zwar verschont, aber so wie vorher war es nie wieder. Sobald ich dauerhaft stärker belastet wurde, kam das Gedankenkarussell wieder. Termine, Anrufe, E-Mails und Briefe waren Schwerstarbeit, kaum zu bewältigen. Soweit möglich habe ich alles abgesagt oder verschoben. Der Rest war kaum erträglich. Erst wenn das jeweilige Problem weggeschoben werden konnte, wurde es wieder besser. In der tablettenfreien Zeit fuhr ich nach Yunnan. Ich war beeindruckt. Es waren nur vier Nächte und fünf Tage, aber die beeindruckten mich zutiefst. Die Gedanken daran halfen meistens, das Karussell zu stoppen und tatsächlich einzuschlafen. In meiner Phantasie lebte ich dann in Yunnan, arbeitete dort, manchmal hatte ich sogar Familie.

Und der April war jeweils schwer, keine Ahnung warum, aber da brauchte ich jeweils etwas Auszeit. 

Heute ist der 27. April.

Ich weiss das es heute wohl nicht weitergeht.

27.4.14 14:58


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