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Nacht - Gedankenkarusell

Die Abendsonne scheint auf einen Teil des Tales und die östlichen Hügel, die gegenüberliegende Seite ist schon im Schatten und verschwimmt ins nebulöse. Eine unfassbare Ruhe liegt in der Luft und im Boden. Sie ist fast körperlich spürbar. Ich liege vor dem Zelt auf der Isomatte und schaue in Richtung Südwest.

In Kontrast zur Außenwelt kreisen bei mir die Gedanken. Ich kenne das Spiel, ein Problemkreis wird den anderen ablösen, ohne Zusammenhang, ich werde Lösungen entwickeln, die Lösungen werden funktionieren, dann aber kommt das selbe Problem wieder hoch. Natürlich nach einer angemessenen Pause, in der sich -zig andere Gedanken dazwischengeschoben haben. Das regt mich furchtbar auf, ich komme nicht zur Ruhe.

Es geht immer um diesselben Themen. Habe ich alle Fristen eingehalten? Schaffe ich zeitlich alle mir gestellten Aufgaben? Welche Termine habe ich morgen? Welche Probleme gibt es bei den Terminen? Welche könnten noch auftauchen? Welche Rechnungen sind offen? Schaffe ich es zum Ende des Monats, alle Rechnungen zu überweisen? Die Antworten sind immer dieselben: Es wird nichts passieren, was nicht auch schon die letzten zehn Jahre passiert ist: Alles wird erledigt, es bleibt genug übrig, manche Termine nerven stark, manche Termine sind wirklich nett. Es geht also objektiv nicht schlechter als bei allen anderen Menschen auch. Aber das dumme Hirn begreift es nicht.

So geht das jeden Abend seit sechs, sieben Jahren.

Heute nervt es besonders. Das Büro gibt es nichtmehr, die Termine sind längst vorbei, ich habe nichtmal ein Telefon dabei. Aber die Vergangenheit lässt nicht locker. Wahrscheinlich sind die Nervenbahnen so eingefahren, dass sie einfach nicht anders können. Den Abzweig noch nicht gefunden.

Manchmal gewinne ich den Kampf und kann bewusst Gedanken einstreuen, die mich nicht unter Volldampf setzen. Yunnan hat gut funktioniert. Seitdem gelingt es mir öfters, die sinnlose Lawine von Gedankenschrott zu stoppen. Wohl einer der Gründe warum ich ausgerechnet von diesem Teil der Erde so angezogen werde.

Zwar wiederholt sich auch dieser Fluss der Gedanken gebetsmühlenartig, wirkt sich aber positiv aus.

Heute abend verliere ich die Auseinandersetzung. Vergangene Konflikte erheben sich mit Macht. Ich löse sie wieder und wieder. Natürlich immer erfolgreich. Kurz darauf habe ich sie wieder vor mir.

Die Nacht ist grausam. Ich sehe wie sich hinter der Zeltplane die Dunkelheit verabschiedet, ohne das ich geschlafen hätte. Bevor ich dann doch einschlafe, höre ich Vogelgezwitscher.

26.4.14 09:19


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Rückblende 2

Ich weiss nichts über Yunnan. Es heisst, die Bergkette des Himalaya endet hier im Osten. Ich stehe auf dem Flugplatz, zum Gebäude geht man zu Fuss übers Rollfeld. Keine Security, kein Bodenpersonal.

Der Blick gleitet am Rollfeld entlang in Richtung Horizont. Rechts und links erheben sich Berge. Sie sind dunkel, grün, fast geheimnisvoll. In Richtung Horizont werden sie heller im Dunst. Der Himmel bildet mit seinen Graustufen einen schönen Kontrast dazu.

Zwischen der Startbahn und dem Berg-Himmel-Cocktail ist ein schmaler Streifen Vegetation gesetzt. Eine dünne Grenze zwischen von Menschenhand gestalteter Umgebung und der Natur.

Das Tal erstreckt sich nach Nord-Nordwest. Der Talboden ist schmal, an der Stelle, an der der Flughafen errichtet wurde erweitert er sich nach Westen hin, weil die Bergkette dort einen einen Bogen macht. Das Tal findet seinen Abschluss im Süden. Dort versperrt ein Brocken Stein die Sicht. Er wirkt unharmonisch in die Landschaft eingesetzt.

Das Flughafengebäude ist neu, und typisch für moderne chinesische Archtektur sehr weitläufig und kühl gehalten. Meine Mitreisenden eilen durch die Gänge, der erste weg führt, wie fast überall auf der Welt, in Richtung Abort.

Mich treffen verstohlene neugierige Blicke, jaja, ich bin die einzige Langnase hier. 

Am Ausgang wartete ein Fahrer auf mich. Er hält ein Schild mit meinem Namen hoch. In der Mitte des Nachnamens ist ihm das Schild ausgegangen, er schreibt den Rest des Namens einfach in die zweite Zeile und fügt ein "@gmx.de" an. 

Die Fahrt in die Stadt dauert knapp 45 min. Ich bin überwältigt. Die Straße ist neu, es gibt sogar eine Mautstation, die umgebende Landschaft ist sichtbar altes Kulturland. Wo die Berge Platz lassen erstrecken sich kleine Felder. Man sieht Menschen auf Ihnen arbeiten. Alte Bauernhäuser sind scheinbar chaotisch im Raum verteilt. Man erkennt die nach oben gebogenen Dachecken, rote und braune Tore in den Mauern zur Front. Verziertes Holzwerk.

Je näher die Stadt kommt, desto größer werden die Felder. Zurückweichende Bergketten geben Platz. Eine unregelmäßige Ebene zeigt sich, von leichten Dunstschleiern durchwoben. In der Ferne tauchen Silhoutten von Gebäuden auf. Auf den Äckern kümmern sich Frauen um die Pflanzungen, Männer sind nicht zu sehen.

Durch die schnell ziehenden Wolken ändert sich das Licht ständig. Die Farben werden im Minutenrhythmus durcheinandergewirbelt, der Geist zur Wahrnehmung gefordert.

Plötzlich und ohne Vorwarnung beginnt die Stadt.

26.4.14 09:04


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