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Strecke machen

Die Nacht war erstaunlich gut. Der Gedanke an grobes graues Straßenpflaster, kniehohe Steinfundamente mit aufgesetzten Holzhäusern und an das Haus im Wiederaufbau haben gereicht, um mich gut schlafen zu lassen.

Normalerweise brauche ich zwei oder drei Tage, um aus solchen Löchern wieder rauszufinden.

Mit dem Haus hat es eine besondere Bewandtnis: Die Stadt steht unter Denkmalschutz, darf also nicht verändert oder modernisiert werden. Da aber hin und wieder das Holz der Stützkonstruktion morsch wird, muss man das jeweilige Haus doch komplett abreissen. Die Konstruktion lässt es nicht anders zu. Danach wird aus speziell angefertigten Neuteilen sowie den aufbewahrten alten Baustoffen das Haus neu errichtet. Natürlich wird dabei auch modernisiert, wenn die Aufsichtsbeamten gerade wegsehen beziehungsweise gegen ein entsprechendes Entgelt vorübergehend auf zwei Augen erblinden. Äußerlich bleibt der Schein gewahrt, aber die sanitären und elektrischen Anlagen müssen auf einen aktuellen Stand gebracht werden.

Zum einen ist eine zeitgemäße Elektrik sicherer, zum anderen verlangen die Touristen natürlich 24/7 fließen warmes und kaltes Wasser sowie Sanitäranlagen wie sie es von zuhause gewohnt sind.

Hier zeigt sich exemplarisch, wie das alte und das neue China Hand in Hand gehen, und es scheint dauerhaft zu funktionieren.

Auf meinem Weg passiere ich Vimperk gegen mittag. Eine schöne mittelalterliche Stadt mit dem verottenden Charme alter Herrlichkeit. Die Altstadt wird von einer Burganlage gekrönt, es ist wie ausgestorben. Eine Geisterstadt. Hier bin ich schonmal durchgefahren, auf dem Weg zur Besichtigung des Kernkraftwerkes Temelin. Nie werde ich vergessen, wie die Dame im Kraftwerk auf die Frage nach Störfällen antwortete:"No ja, soviel waren es nicht." Sehr beruhigend!

Im örtlichen Aldi kaufe ich Nudeln, da meine Vorräte auszugehen drohen.

In Vimperk möchte ich versuchen, weiterzutrampen. Ich stehe an einer Tankstelle und habe auf ein Pappschild "Brno" geschrieben. Ich stehe ewig. Erst als ich einen LKW-Fahrer direkt anspreche, nickt dieser in Richtung seiner Fahrerkabine und ich beeile mich, den Bock zu erklimmen.

Wir fahren zunächst eine Landstraße entlang, Wald auf beiden Seiten. Bald zieht sich der Wald und mit ihm die Berge zurück. Es wird ebener, der Blick weiter. Wir haben den bayrisch-böhmischen Wald verlassen und kommen ins böhmische Becken. Ich entspanne spürbar, kann Luft ablassen. Als ob das Mittelgebirge, dass ich überschritten habe, eine Grenze auch in meinem Kopf war.

Der Fahrer scheint ein mürrischer Geselle zu sein, außer gelegentlichem Rotzhochziehen und den Fahrgeräuschen ist nichts zu hören. Er schaut stur geradeaus und werkt it dem Ganghebel als wäre es sein Feind. Wird wohl nicht sein LKW sein.

Die Straße führt zunächst geradewegs nach Osten, die Sonne scheint von links in die Kabine. Sie schaukelt unregelmäßig, wie auf einem Schiff in unentschlossener See. Dazu das dröhnen und zittern, das vom Motor ausgeht. Ich fahre richtig runter. Autofahren hat mich schon immer beruhigt. Ich gebe mich ganz den Vibrationen hin und genieße die Sonne.

Am späten nachmittag erreichen wir Brünn.

27.4.14 20:18
 


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