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Gammelweg

Nach Brünn wird der Weg eintönig. Er führt in Richtung in Olmütz an einer Autobahn entlang. Dem Auge wird nicht viel geboten, ebensowenig wie den Ohren.

Die Gedanken richten sich wieder auf den Weg und das Ziel. In Olmütz werde ich mich entscheiden, ob ich über Polen in die Ukraine gehe oder über die Slowakei. Beides reizt, da ich beide Länder noch nicht kenne, tendenziell interessiert mich die Slowakei mehr, aber der Weg scheint etwas beschwerlicher zu sein, hügeliger.

Dann folgen Ukraine, Russland und China.

China hat mich schon seit Langem fasziniert. Zunächst hörte man ja in den neunziger Jahren von einem rückständigem, kommunistischem Land. Erschießungen, Verhaftungen, Platz des Himmlischen Friedens. Jedenfalls verknüpfte man mit China vordergründig kein positives Bild. Darunter lagerte noch ein Bild des "alten" China, geprägt von Weisheit, Philosophie, traditioneller chinesischer Medizin, exotischen Menschen. Es waren wohl beide Vorstellungen auf ihre Weise richtig und falsch, zumindest jedoch unvollständig.

Dann, Ende der Neunziger, wie aus dem nichts, wurde China als Wirtschaftsmacht wahrgenommen. Unglaubliche Wachstumszahlen wurden gemeldet. Genau in dieser Zeit habe ich China zum ersten mal besucht. Peking und Shanghai. Und es bestätigten sich beide Chinabilder: Das alte Kulturland in Form von großer Mauer und Tempeln, das "neue" China als Kontrapunkt in Shanghai mit unzähligen Wolkenkratzern und einem Verkehrschaos, meinen Verstand übersteigend. Drei Fahrspuren übereinander, scheinbar ohne Regeln, lebendig.

Ich war einfach nur fasziniert. Im Alltag schien der Kommunismus keine tragende Rolle zu spielen. Es herrschte eine chaotische Normalität, die in ihren Ausprägungen eher an Süditalien als an den fernen Osten denken ließen. Die wenigen Stunden, in denen kein "Programm" absolviert wurde, die also zur freien Verfügung standen, erwiesen sich als die beeindruckendsten: Ein Abendessen in einem winzigen Lokal nicht weit vom Hotel: vier Männer hatten sich in einen Raum mit fünf Tischen gezwängt, die Stühle der Nachbartische mussten umgeräumt werden um Platz zu schaffen. Wir saßen mitten im Raum. Verständigungsschwierigkeiten, auf unserer Seite keine Chinesisch-Kenntnisse, die Kellnerinnen aufgeregt hin- und hereilend, Neugier von beiden Seiten. Mit Händen, Füßen und etwas Schulenglisch dann die Bestellung. Bangen und Hoffen, was uns denn dann serviert werden würde. Und das Essen war eine Sensation. Variantenreich, ein Leckerbissen köstlicher als der andere, Unmengen an Essen, Bier, Lächeln hin und her, man verstand sich.

Szene zwei: Einen Anzug kaufen: wieder keine sprachliche Verständigung, dafür umsomehr Neugier, Lächeln, Hilfsbereitschaft. Die Hose zu lang? kein Problem, wird gekürzt. Dann Panik: Nicht genug Yuan dabei, nur noch Dollar, bedauerndes Schulterheben: Die nehmen wir leider nicht. Irgendwie gelang es einer jüngeren Frauen uns zu erklären, man könne ja das Geld wechseln, wir sollten mitkommen. Die Bank gleich gegenüber, unter viel Palaver die Dollar in Yuan gewechselt, immer unsere Furcht im Hinterkopf, betrogen zu werden. Das haben wir uns aber schnell abgewöhnt, weil es, Ausnahmen bestätigen die Regel, sogut wie nie passiert. Der Wechselkurs jedenfalls war in Ordnung.

Ein chinesisches Verhaltensmuster, was mir immer wieder begegnete, zeigte sich dort bereits: Es gibt ein Problem? Das lösen wir! Später lernte ich, dass Problemlösungen immer mit viel Palaver erfolgen, die präsentierte Lösung nicht immer zum Problem passt, dabei aber beide Seiten ihr Gesicht wahren. Erste Regel: Immer das Gesicht wahren. Wieder die Erinnerung an Süditalien.

Der Weg ist eben, fordert nicht. Ich entscheide mich für den Weg über die Slowakei.

7.5.14 09:48
 


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